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Queeres·Chaos·Kollektiv

Kategorie: Allgemein Seite 2 von 4

QCK Grillfest

Am 10. Tage des 9. Monats findet um 13:30 Uhr am Gramartboden das Grillfest des QCKs statt. Auf der queeren Agenda finden sich folgende Dinge:

  • Gemeinsames Grillen (Vegan und Mischkost)
  • Musik machen am Lagerfeuer
  • Spiele wie Fußball, Wikinger-Schach und vieles mehr

Gerne könnt ihr auch eigene Sachen mitbringen – wie Picknickdecken, Snacks, Sachen zum Grillen, Getränke, Spiele und dergleichen

Wo? Gramartstraße, 6020 Innsbruck
Wann? 10.09.2023 ab 13:30 Uhr

Anfahrt: Mit dem J Bus zur Hungerburg und ungefähr 10 Gehminuten den ausgewiesenen Schildern (oder dem eigenen Navi) folgen

Mit opulentem Slay,
Euer QCK 💛

Slutwalk 2023 – Redebeitrag Katha

Im Folgenden lest ihr den Redebeitrag von Katha am Slutwalk 2023.
Hier könnt ihr euch den Beitrag als Audio anhören:

Hallo, ich bin Katha vom Queeren Chaos Kollektiv und freue mich heute hier zu sein. In meinem Beitrag geht es heute vor allem um FLINTA-Personen.
In einem patriarchalen System wie dem unseren kann mensch es einfach nicht richtig machen, das gilt ganz besonders für FLINTA-Personen. Ich hab all die Normen und Erwartungen so satt. Du musst ja brav sein. Leise. Angepasst. Hübsch. Attraktiv. Sexy, aber bloß nicht zu sexy. Denn aufreizende Kleidung wird quasi als consent wahrgenommen. FLINTA-Personen werden ständig darauf reduziert, Objekte der Begierde zu sein. Es wird angenommen, dass Kleidung nur für die Augen anderer, vor allem die Augen von Männern getragen wird.
Und sogar wenn ich als weiblich gelesene Person eine andere in der Öffentlichkeit küsse, wird das aus einem Male Gaze heraus betrachtet. Als ob dieser Kuss nur dazu dienen würde, Männer anzuturnen. In diesem System kann mensch es nicht richtig machen. Menschen müssen zwangsläufig an all den Normen und Erwartungen, die sich oft auch widersprechen, scheitern. Und ich persönlich möchte auch daran scheitern – denn nur so ist ein selbstbestimmteres und freieres Leben möglich! Und nur so können wir uns auflehnen gegen diese gewaltige Täter-Opfer-Umkehr.

FLINTA-Personen werden klein gehalten. Oft nicht ernst genommen. Von klein auf dazu sozialisiert, sich anzupassen und bloß nicht wütend zu sein, nicht zu laut, bloß nicht auflehnend. Und genau so wird verhindert, dass sich an bestehenden Machtverhältnissen etwas ändern kann! Aber da machen wir nicht mehr mit!

Deshalb fordere ich alle, die können und wollen auf, wütend und laut zu sein. Denn dazu haben wir jeden Grund! Wir allein entscheiden über unsere Körper, über unsere Kleidung, über unsere Sexualität und unsere Geschlechtsidentität! Wir eignen uns Begriffe wie slut oder queer, die gegen uns verwendet werden an! Und genau darin liegt so viel Widerstand, darin ist erkennbar, dass wir uns nicht an die Norm anpassen. Und darauf auch stolz sein können!

Wir sind viele! Setzen wir uns gemeinsam ein gegen jegliche Form der Diskriminierung. Für mehr Aufklärung. Für mehr Selbstbestimmung. Für eine buntere Welt, in der Menschen für ihr Anderssein gefeiert werden.

Ich, aktivistisch

Das Alles Gute Festival wird aktivistisch!

Kollage der Kreidemessages

Bei unserem Workshop “Ich, aktivistisch” am Freitag beim Alles Gute Festival waren ca. 20 aktive, motivierte Menschen dabei. Wir haben darüber gesprochen, was uns wichtig ist, wie Aktivismus funktioniert und wie mensch da einsteigen kann. Danach haben wir die Botanica mit unseren Anliegen und Aufrufen verschönert.

Danke an alle Teilnehmenden und Mitmachenden – ihr seid Klasse! Hoffentlich sehen wir uns bald wieder.

Liebe Grüße
QCK

Wir suchen Unterstützung!

Hallo queeres Innsbruck! Hallo Allies! Hallo Interessierte! 

Wir sind das Queere Chaos Kollektiv – eine Gruppe von queeren Menschen und Allies, die Innsbruck queerer und offener machen wollen. Und wie? Wir machen Veranstaltungen, Kundgebungen / Demos, Peerberatung, vernetzen uns mit anderen Organisationen, klären auf und zeigen Präsenz.

All das mit den Grundsätzen: 

  • Sinnvoll: wir tun Dinge nur dann, wenn sie auch einen Sinn haben und unsere Ziele voranbringen, und nicht aus reiner Verpflichtung heraus  
  • Machbar: wir schauen auf unsere Ressourcen und Kapazitäten und überfordern einander nicht 
  • Kooperativ: wir arbeiten zusammen, unterstützen einander und bringen unsere individuellen Fähigkeiten ein
  • Inklusiv: es sind alle willkommen, es gibt keinen Outing-Zwang, eine Vielfalt von Stimmen soll gehört werden 

Seit unserer Gründung im August 2022 ist viel passiert. Wir haben zahlreiche Events veranstaltet, unter anderem in der Trans Awareness Week und am Trans Day of Visibility, sowie den Poly-Stammtisch. Wir haben viele Kundgebungen gemacht, Redebeiträge gehalten, uns mit anderen Organisationen und Kultureinrichtungen vernetzt und viel Raum für die Community in Innsbruck erschlossen.  

Aber: all das geht nur, weil wir viele engagierte Menschen sind, die sich einbringen! 

Nach fast einem Jahr hat es ein wenig Wechsel gegeben, manche von uns sind umgezogen, andere haben mit der Uni zu tun, … es sind auch einige Leute dazugekommen, was uns riesig freut! 

Aber wenn es so weitergehen soll, dann brauchen wir noch mehr Menschen, die mitmachen und sich einbringen. Jede einzelne Aktion oder Veranstaltung, die wir machen, braucht Menschen die sich um alles von Social Media bis hin zu Einkauf, Planung und Durchführung kümmern. Da steckt viel Arbeit dahinter. Doch je mehr wir sind, desto weniger Arbeit ist es für jede*n Einzelne*n und desto mehr Spaß haben wir miteinander.  

Klingt das spannend für dich? Dann lies weiter oder schreib uns direkt eine Nachricht, wir freuen uns auf dich 😊 

Q&A: 

Wie ist das Kollektiv aufgebaut? Wie kann ich da dabei sein?  

Im Kollektiv gibt es drei verschiedene “Arten”, Mitglied zu sein. Diese sind nicht fixiert, du kannst also jederzeit zwischen den verschiedenen Arten wechseln, wenn sich deine Lebensumstände ändern. Alle Leute, die gerne zu unseren Veranstaltungen kommen und sich bei uns wohl fühlen, können Teil des Kollektivs sein. Wir haben eine WhatsApp Gruppe, in der Informationen zu Veranstaltungen gepostet werden und einen Discord Server, in dem diskutiert, vernetzt und gemeinsam Spaß gehabt wird. Wenn du da dabei sein willst, schreib uns auf Instagram oder komm zu einem Event! 

Wenn du Lust hast, dich fallweise oder dauerhaft in der Organisation einzubringen, dann gibt es dafür das OrgaTeam. Ins OrgaTeam kann jede Person aus dem Kollektiv, die sich dafür interessiert. Dafür meldest du dich bei uns auf dem Discord.  

Entscheidungen getroffen und längerfristig geplant wird im Plenum. Ins Plenum kommst du über ein Vouching-System – das heißt, wenn du bereits Leute aus dem Plenum kennst, kannst du anfragen, ob du dabei sein kannst, und das Plenum entscheidet dann gemeinsam über die Aufnahme. Das klingt vielleicht ein bisschen scary – ist es aber nicht! Dabei geht es nur darum, dass keine toxischen Personen ins Plenum kommen, also keine Sorge…  

Egal in welchem Ausmaß du dabei sein willst, wir freuen uns 😊  

Was ist der Verein zur Förderung queeren Lebens? 

Einige von uns haben im März einen Verein gegründet, damit wir Finanzen verwalten können und rechtlich abgesichert sind. Dieser läuft hauptsächlich im Hintergrund. Natürlich kannst du auch da Mitglied werden, wenn du im Kollektiv bist – aber bisher passiert da nicht so viel 😉 das meiste Interessante ist im Kollektiv.  

Was bringt es mir, im Kollektiv zu sein? 

Ganz viel! Wir sind gut in der queeren Community in Innsbruck, Tirol und teils Österreich vernetzt. Als ein großes Zeil haben wir vor, Räume für die Community zu erschließen und ein solides Netzwerk zur Verfügung zu stellen, damit queere Menschen und Allies Unterstützung, Freundschaft, Kontakte und Ansprache finden. Wir freuen uns immer, neue Leute kennenzulernen und schauen gut aufeinander. Außerdem bringen viele von uns verschiedene Fähigkeiten und Erfahrungswerte mit und teilen Wissen miteinander! Ob Beratung, Social Media, Schreiben, Kreatives, Eventorganisation, Aktivismus, … wir können viel voneinander lernen, und wir fördern den Wissensaustausch innerhalb des Kollektivs sehr.  

Wenn ich einmal mithelfe, muss ich das dann immer machen?  

Nein, natürlich nicht! Alles läuft bei uns auf freiwilliger Basis. Es gibt bei uns themenbezogene Teams und veranstaltungsbezogene Arbeitsgruppen.
Z.B. ist das Social Media Team für unseren Instagram-Auftritt zuständig, das Blogbeiträge Team für die Beiträge auf der Website und das Design Team für Grafiken und Ähnliches. Bei einem Team dabei sein bedeutet nur, gefragt zu werden, wenn es Aufgaben für die Teams gibt.
Zusätzlich ist es immer möglich, sich für einzelne Aufgaben bei Events zu melden z.B. kann mensch sich melden, beim nächsten Spaßtreffen Decken & Becher mitzubringen, oder einen Aufruftext für eine Kundgebung zu schreiben. Wir helfen auch immer gerne, wenn Leute etwas Neues ausprobieren wollen, damit niemand mit Aufgaben alleine gelassen wird. Wie viel du machen möchtest, ist dir überlassen; du kannst dich für jede Aufgabe freiwillig melden und wirst zu nichts gezwungen, was du nicht machen möchtest. Wir erwarten lediglich, dass rechtzeitig Bescheid gesagt wird, wenn eine Aufgabe doch nicht gemacht werden kann, damit es jemand anderes übernehmen kann.  

Wie finde ich mich ein? Was, wenn ich nicht verstehe, wie etwas funktioniert oder einen Post übersehe?  

Kein Problem! Wir haben Dokumentation und Verläufe, in die du dich einlesen kannst. Wenn dir das lieber ist, kannst du dich auch einfach bei einem Spaßtreffen mit uns unterhalten und Fragen stellen. Es ist auch möglich, einfach im Discord zu fragen, ob jemand Zeit für dich hat und dir persönlich eine Einführung geben kann. Es gibt keine dummen Fragen! 

Ich habe X Identität / ich bin Ally / ich bin noch neu in der Community / in Innsbruck – darf ich dabei sein?  

JA! Bei uns sind alle willkommen, die sich in der Community zuhause fühlen (wollen) oder für queere Rechte einstehen. Egal, wie du dich selbst identifizierst oder ob du noch neu bist. Gerade dann freuen wir uns, wenn du dazukommst! Wir sind gegen Zwangsouting oder Identitäts-Policing. Bei uns steht Respekt füreinander an erster Stelle, alles andere ist deine Sache! 

Ihr scheint wenig PoC in eurer Gruppe zu haben, bin ich trotzdem willkommen? Wie geht ihr mit Rassismus um?  

Es stimmt, dass wir bisher primär weiße Menschen / ohne Migrationshintergrund sind. Wir möchten das aber gerne ändern. Rassismus, wie jede andere Diskriminierungsform, ist bei uns ein No-Go, und wir arbeiten stets an uns, um einen Raum zu kreieren, der für ALLE offen ist. Wir freuen uns sehr über jede neue Perspektive, die ins Kollektiv kommt. Zögere nicht, uns zu kontaktieren – wir nehmen alle Sorgen und Ängste zu dem Thema ernst und wollen uns verbessern und unsere Vielfalt im Kollektiv erweitern.  

Ich bin richtig motiviert und will sofort anfangen – wie mach ich das? Und was steht aktuell an? 

Schreib uns direkt auf unserer Email oder Instagram, dann können wir dich aufnehmen und loslegen! Es gibt immer was zu tun. 😊  

Im Moment planen wir einen Vortrag an der Uni, Infostände bei der SoHo-Kundgebung und dem Fest der Vielfalt, Beteiligung beim CSD, Spaßtreffen, den Poly-Stammtisch, die zweite Runde der Queer Games und die Trans Awareness Week im November. Vor allem unser Social Media Team und die Veranstaltungsorganisator*innen suchen dringend Leute, die mitmachen.

Wir freuen uns auf euch! 

Diversity is Beauty – Gastbeitrag von Mamal

Im Folgenden lest ihr den Gastbeitrag “Diversity is Beauty” von Mamal. Mamal hat journalistisch bei Freirad mitgemacht, studiert Architektur und macht Musik mit der Band “bazaarplus”. Mamal ist seit August 2021 in der Arche*Ahoi beschäftigt. Mamals Migrationshintergrund und andere Lebenserfahrung haben auch großen Einfluss auf Mamals journalistische und künstlerische Tätigkeit.

Der Beitrag ist original auf Englisch verfasst. Um ihn breiter zugänglich zu machen, findet ihr am Ende eine deutsche Übersetzung. Wir wollen euch aber ermutigen, trotzdem den englischen Beitrag zu lesen, da dieser in Mamals originaler Stimme verfasst ist.

Diversity is Beauty

When a rainbow appears in the blue sky, do you not see the manifestation of the concept of life in an arch shape? Ahoy… it is the finest example of diversity, beauty, and the interconnectedness of all beings in this world. It encompasses colors, curves, and layers, representing the most captivating phenomenon of a fleeting moment. If you observe it from the right perspective, you will be mesmerized by how the combination of air, water, and sunshine creates such a remarkable phenomenon.

This thought crossed my mind when I began contemplating why the rainbow is associated with the LGBTQ community. I grew up without any education about different sexual orientations, and therefore had no understanding of homosexuality. I distinctly remember the first time I found myself at a gay party in Tehran by coincidence. I was utterly bewildered! It happened in 2009 when I randomly met a person named Artin on the subway. He was around my age, 19 years old, and he was talking on the phone about an underground party in Karadj.

Artin was very polite and friendly, and what connected us initially was our shared love for parties and having fun. During the subway ride from Karadj to Tehran, we struck up a conversation as if it were the most natural thing in the world. We exchanged contact information, and Artin informed me that he would inquire with the organizers to see if I could join the party as well.

The next day, he messaged me with a positive response. I attended the party that weekend, which took place in a villa in Mahdasht in the western part of Karadj. It was an informal underground party with around 100 girls and boys, featuring loud music and alcohol, and everyone was dancing and enjoying themselves and bust a groove to the beat!

This party marked the beginning of my friendship with Artin. We had an incredible time that night, and I was subsequently invited to several other underground parties. Artin had a wide network of connections, and together with my enthusiasm, we became great partners in crime for the weekends.

We also hung out casually during the week. What struck me about Artin was his kindness. He always spoke to me with compassion and gentleness, unlike the usual way guys interacted with their friends. One day, he mentioned that there was a birthday party in Tehranpars, located in eastern Tehran, and insisted that we should go as it would be a cool one. Being a “yes man,” I agreed, and that’s when the rainbow story truly began.

We went together to Tehranpars, and after a two-hour drive, I was taken aback. There were no villas in the neighborhood, and the address led us to an apartment on a middle floor. The atmosphere was different from a casual Iranian underground party. There were around 30 people, but they were all boys! I received one of the warmest welcomes I had ever experienced.

Among them were boys of different ages, some of whom didn’t look like boys at all. They wore heavy makeup and dressed in a feminine manner (now I have a different perspective). Some appeared as ordinary men, but most had flamboyant ways of interacting. To be honest, I felt uncomfortable at first and asked Artin if we could leave soon. However, he insisted that we should wait because the party hadn’t started yet. To me, it felt more like a gathering than a party. I was uncomfortable due to the overwhelming attention and the flirting vibes among the guys, something I hadn’t experienced before.

Gradually, after engaging in conversations with some of them, I started feeling more at ease when they explained to me that most of them identified as gay. Suddenly, I had a realization that the word “gay” was not a misspelling of “guy” as I had often encountered in Yahoo chat rooms. When others noticed that I was new to their community, the atmosphere became more relaxed.

Over time, my curiosity intensified, and my initial sense of discomfort transformed into openness. There were extensive discussions about sexual attraction, and I was passionately asked many questions. They were incredibly kind to me, emphasizing that a boy can fall in love with another boy. I was profoundly shocked by this concept and came to realize that fear primarily arises from a lack of knowledge. It reminded me of the fear of darkness, simply because you are unaware of what surrounds you. Awareness and knowledge, like a candle, can provide clarity and safety.

Throughout these lengthy conversations, I lost track of Artin’s whereabouts. Nonetheless, the following morning, we left the flat, and I had made several new friends.

These paragraphs recount my personal experience of getting to know the Rainbow Family and how it has profoundly shaped my life, making me a person who strives to maintain an open attitude. In 2015, I defended homosexuality at the university in Qazvin, where there was no tolerance, and that became the catalyst for my decision to leave Iran behind. Since January 2016, I have been living in Innsbruck after embarking on a month-long journey from Tehran to Tyrol.

PS: Currently, I do not perceive a significant difference in the attire between genders.

Vielfalt ist Schönheit – Deutsche Übersetzung

Wenn ein Regenbogen im blauen Himmel erscheint, siehst du nicht die Manifestierung des Konzepts des Lebens in einer Bogenform? Ahoi … es ist das feinste Beispiel von Vielfalt, Schönheit und der Verbundenheit aller Wesen dieser Welt. Es beinhaltet Farben, Kurven und Schichten, repräsentiert das fesselndste Phänomen eines vergänglichen Momentes. Wenn du es von der richtigen Perspektive beobachtest wirst du verzaubert davon sein, wie die Verbindung von Luft, Wasser und Sonnenschein so ein außerordentliches Phänomen kreiert.

Dieser Gedanke kam zu mir als ich begann, darüber nachzudenken warum der Regenbogen mit der LGBTQ Community assoziiert wird. Ich bin ohne jegliche Information über verschiedene sexuelle Orientierungen aufgewachsen und hatte demnach kein Wissen über Homosexualität. Ich erinnere mich noch genau an das erste Mal, dass ich zufällig bei einer schwulen Party in Teheran gelandet bin. Ich war völlig verblüfft! Es passierte in 2009, als ich zufällig eine Person namens Artin in der U-Bahn traf. Er war ungefähr in meinem Alter, 19 Jahre alt, und er sprach am Telefon über eine Untergrundparty in Karadj.

Artin war sehr höflich und freundlich und was uns zunächst verband war unsere geteilte Vorliebe für Parties und Spaß. Während der U-Bahnfahrt von Karadj nach Teheran kamen wir ins Gespräch als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Wir tauschten unsere Kontaktdaten aus und Artin informierte mich, dass er die Organisator*innen der Party fragen würde, ob ich auch zur Party kommen könnte.

Am nächsten Tag schrieb er mir mit guten Nachrichten. Ich kam zur Party an dem Wochenende, die in einer Villa in Mahdasht im Westen von Karadj stattfand. Es war eine informelle Untergrundparty mit ungefähr 100 Mädchen und Jungs, mit lauter Musik und Alkohol und alle tanzten, hatten Spaß und groovten zum Beat.

Diese Party bezeichnete den Beginn meiner Freundschaft mit Artin. Wir hatten eine tolle Zeit diese Nacht und ich wurde im Zuge dessen zu einigen anderen Untergrundpartys eingeladen. Artin hatte ein großes Netzwerk verschiedener Verbindungen, und gemeinsam mit meinem Enthusiasmus wurden wir zu tollen Komplizen für die Wochenenden. Wir trafen uns auch manchmal unter der Woche.

Was mir an Artin besonders auffiel, war seine Herzlichkeit. Er zeigte mir gegenüber immer Mitgefühl und Sanftheit, anders als die übliche Art, in der Männer mit ihren Freunden umgingen. Eines Tages erwähnte er, dass es eine Geburtstagsparty in Teheranpars, im Osten von Teheran geben würde, und bestand darauf, dass wir hingingen, da es eine coole sein würde. Da ich ein „Ja Mann“ war, stimmte ich zu, und dann begann die Regenbogengeschichte so richtig.

Wir gingen gemeinsam nach Teheranpars. Nach einer zweistündigen Autofahrt war ich überrascht. Es gab keine Villas in dieser Nachbarschaft, und die Adresse führte uns zu einem Apartment in einem mittleren Stockwerk. Die Atmosphäre war anders als eine übliche iranische Untergrundparty. Es waren ungefähr 30 Leute da, aber alles Jungs! Ich wurde so herzlich willkommen geheißen wie es vorher noch nie erlebt hatte.

Unter ihnen waren Jungs verschiedenen Alters, manche, die gar nicht wie Jungs aussahen. Sie trugen viel Make-Up und waren feminin gekleidet (heute habe ich eine andere Perspektive). Manche schienen wie typische Männer, aber einige hatten eher eine extravagante Art sich zu verhalten. Um ehrlich zu sein, habe ich mich anfangs unwohl gefühlt und Artin gefragt, ob wir bald gehen könnten. Er hat aber darauf bestanden, dass wir warten, weil die Party noch nicht angefangen hatte. Für mich hat es sich eher wir ein Zusammensitzen angefühlt als eine Party. Ich fühlte mich unwohl wegen der überwältigenden Aufmerksamkeit und der flirty Stimmung unter den Jungs, etwas, was ich vorher nicht erlebt hatte.

Nach und nach, nachdem ich mit ein paar von ihnen Gespräche geführt hatte, fing ich an mich wohler zu fühlen, als sie mir erklärten, dass sich die meisten als schwul identifizierten. Plötzlich hatte ich die Erkenntnis, dass das Wort „gay“ (schwul) nicht „guy“ (Typ) falschgeschrieben war, wie ich es oft in Yahoo Chatrooms gelesen hatte. Als andere bemerkten, dass ich neu in der Community war, entspannte sich die Atmosphäre.

Mit der Zeit wurde meine Neugier größer und mein anfängliches Unwohlsein wurde zu Offenheit. Es gab ausführliche Diskussionen über sexuelle Anziehung und ich wurde mit Leidenschaft ausgefragt. Sie waren unglaublich herzlich mir gegenüber und betonten, dass ein Junge sich in einen anderen Jungen verlieben kann. Ich war komplett geschockt von diesem Konzept und realisierte, dass Angst hauptsächlich von einem Mangel an Wissen kommt. Es erinnerte mich an die Angst vor der Dunkelheit, nur weil du nicht weißt, was dich umgibt. Bewusstsein und Wissen, wie eine Kerze, können Klarheit und Sicherheit vermitteln.

Während dieser langen Gespräche verlor ich den Überblick darüber, wo Artin war. So oder so hatte ich am Morgen, als wir die Wohnung verließen, einige neue Freunde gefunden.

Diese Absätze erzählen meine persönliche Erfahrung im Kennenlernen der Regenbogenfamilie und wie sie mein Leben tief geformt hat, mich zu einer Person gemacht hat, die sich stets um eine offene Einstellung bemüht. 2015 verteidigte ich Homosexualität auf der Universität in Qazvin, wo es keinerlei Toleranz gab, was auch der Katalysator für meine Entscheidung wurde, den Iran hinter mir zu lassen. Seit Januar 2016 lebe ich in Innsbruck, nach einer monatelangen Reise von Teheran nach Tyrol.

PS: Im Moment nehme ich keinen signifikanten Unterschied bei Kleidung unter Geschlechtern wahr.

Trans Day of Visibility

Foto von Martin Kink

Am 31.03.2023 war der Trans Day of Visibility, ein Anlass um transgender, inter* und nicht-binäre Personen sichtbar zu machen und sich solidarisch zu zeigen. Das Queere Chaos Kollektiv hat dafür, unterstützt durch ArchFem, eine Kundgebung vor dem Landesmuseum gehalten, bei der Infomaterial zur Verfügung stand und durch Redebeiträge, Spoken Word, Slam Poetry und Gesang für die Sichtbarkeit und Rechte der trans Community eingestanden wurde. Es wurden ähnlich denkende politische Organisationen eingeladen, von denen die SOHO und die VSStÖ sich mit Redebeiträgen beteiligten. Die Kundgebung wurde teils live übertragen und zählt über den Nachmittag ca. 40 anwesende Personen.

Zeitgleich war in Kooperation mit dem Landesmuseum eine Ausstellung mit Kunst von trans* Künstler*innen zu sehen, die noch für einige Wochen im Landesmuseum zu betrachten ist. Ebenso stellte die Stadtbibliothek Innsbruck im Rahmen einer Kooperation Bücher von trans Autor*innen für den ersten Tag der Ausstellung zur Verfügung.

In der Trans Awareness Week im November plant das Queere Chaos Kollektiv eine weitere Ausstellung in Innsbruck. Mit diesen Aktionen soll erreicht werden, dass trans Personen sichtbarer werden, die rechtliche Situation in Österreich vor allem um die medizinische Versorgung und die rechtliche Anerkennung verbessert wird und Diskriminierung von und Übergriffe gegen trans* Personen abnehmen.

Die Geschichte der Personenstandsänderung in Österreich

von Julia

Für den queer History Month wollte ich die Geschichte der bisherigen Personenstandsänderung in Österreich durchgehen.

Da der Verein transx hierzu schon eine sehr gute Zusammenfassung mit hinterlegten Quellen ausgearbeitet hat, hielt ich es gut, mich hauptsächlich darauf zu stützen und selber dazu zu kommentieren. Meine Kommentare sind im Kursiv dazu geschrieben. Nun zum Thema:

Wusstet ihr, dass…

es in Österreich seit dem Personenstandsgesetzes von 1983 möglich ist, den eigenen Geschlechtseintrag zu ändern. Die Bedingungen für die Änderung regelte der sogenannte “Transsexuellenerlass”. Dieser Erlass setzte als Voraussetzung für die Personenstandsänderung ein Gutachten des Instituts für Gerichtsmedizin der Universität Wien voraus.

Dieses Gutachten musste folgende Sachen erweisen:

  • Punkt 1: Die antragstellende Person musste längere Zeit unter der ”zwanghaften Vorstellung” gelebt haben, dem anderen Geschlecht zuzugehören, was sie dazu veranlasst, sich geschlechtskorrigierender Maßnahmen zu unterziehen.
  • Punkt 2: Die Person musste Maßnahmen durchgeführt haben, welche zur deutlichen äußerlichen Änderung an das andere Geschlecht führen.
  • Punkt 3: Dass sich mit hoher Wahrscheinlichkeit das Zugehörungsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird.

Als aller erstes: Transsexualität ist ein veralteter Begriff, trans* sein hat nichts mit der Sexualität zu tun.

Zu Punkt 1: Allein schon die Formulierung “zwanghafte Vorstellung” klingt hier schon sehr pathologisierend. Weiters wird dieser Begriff auch nicht näher erläutert. Was ist zwanghaft und was nicht? Ab wann ist was zwanghaft?

Zu Punkt 2: Man merkt hier, dass die Formulierung hier sehr schwammig ist, und diese wird auch nicht näher definiert oder erläutert. Dies führt dazu, dass die Definition je nach Person unterschiedlich ausgelegt werden kann.

Das führte zu Folgendem:

Im Erlass wurde weder Sterilität (anders als das deutsche Transsexuellengesetz zu der Zeit), noch operative Eingriffe gefordert.

Allerdings setzte die damalige dafür zuständige Person auf dem gerichtsmedizinischen Institut (deren Name möchte ich an dieser Stelle nicht erwähnen) für die Bestätigung von Punkt 2 willkürlich, ohne rechtliche Grundlage, genitalanpassende Operationen voraus.

Von trans Frauen forderte sie die Entfernung des Penis und der Hoden, die Bildung einer Neovagina und Neoclitoris, nicht aber einen Brustaufbau.

Trans Männer wurden zur Entfernung der Gebärmutter, der Eierstöcke und der Brüste gezwungen. Ein Penisaufbau wurde ihnen nicht abverlangt.

Hier sieht man wieder einen klassischen Fall transphober Gewalt in der eine cis (also nicht trans) Person über Schicksale von trans Personen entschied.

So, das waren die Bedingungen zum Gutachten.

Weiters wurde im “Transsexuellenerlass” von 1983 festgelegt, dass die antragstellende Person die Kosten für das Gutachten selber übernehmen muss und dass eine BESTEHENDE EHE bei Personenstandsänderung ANNULLIERT wird.

1996 wurde die Regelung geändert: Ab da wurde verlangt, dass die antragstellende Person NICHT VERHEIRATET IST. Ansonsten konnte sie die Änderung nicht machen.

2006 hob der Verfassungsgerichtshof den “Transsexuellenerlass” auf. Er gab damit der Beschwerde von Sandra H. recht, der eine Personenstandsänderung aufgrund ihrer bestehenden Ehe verwehrt wurde.

Das Innenministerium stellte danach trotzdem nur Heiratsurkunden für “Mann” und “Frau” aus. Damit wurde der Geschlechtswechsel eines Partners offengelegt.

Diese Praxis wurde erst 2010 durch den Prozess von Michelle B. vom Verwaltungsgerichtshof gestoppt.

Seitdem werden pseudo-geschlechtsneutrale Heiratsurkunden ausgestellt. In diesen wird zuerst der (ehem.) Mann und die (ehem.) Frau genannt.

Nun gab es nach der Aufhebung vom “Transsexuellenerlass” keine definitive Regelung.

2007 wurde den Standesämtern von damaligen Innenminister Günther Platter in einer internen Weisung vorgeschrieben, dass Personenstandsänderungen zu genehmigen seien, wenn “ein psychotherapeutisches Gutachten UND DER BEFUND DER GESCHLECHTSANPASSENDEN OPERATION vorliegen.

Die Behörden setzten dann diesen Operationszwang um, wobei bis 2009 nicht definiert war, was überhaupt operiert werden musste. Dies wurde erst 2009 durch das BMI festgelegt.

2009 fochte Michaela P. diese Praxis an und der Verfassungsgerichtshof kippte dann den Operationszwang.

Trotz des höchst gerichtlichen Urteils zur Kippung des Operationszwang wurde die Personenstandsänderung von Michaela P. abgelehnt.

Ende 2009 wurde in einem anderen Verfahren die Personenstandsänderung von Monique D. (unter Berufung auf das BMI-Schreiben von 2007) ebenfalls abgelehnt, obwohl dies seitens des Verfassungsgerichtshofes nicht mehr rechtens war.

Erst nach intensiver Öffentlichkeitsarbeit und Amtsmissbrauchs Beschwerden seitens der beiden trans Frauen wurden die beiden Personenstandsänderungen bestätigt.

2010 hat das BMI endlich die Erlässe zwischen 2007 und 2010 aufgehoben. Mit demselben Schreiben wurde die Kompetenz für die Personenstandsänderung an die Länder übertragen.

Was wir eindeutig anhand der Historie sehen können, ist, dass trans Menschen willkürlich und komplett frei von Logik gesetzlich eingeschränkt und behindert wurden und werden.

Die Gesetze wurden und werden von cis Menschen geschrieben, die oftmals keinerlei Expertise dazu besitzen, wie es ist trans zu sein und welche Hürden das mit sich bringt.

Keine Lockerung kam von allein, sondern musste vor Oberstem Gericht eingeklagt werden.

Deshalb müssen wir weiterhin für Aufmerksamkeit sorgen und für unsere Rechte einstehen!

Alle Rechte, die wir heute haben, verdanken wir den Kämpfenden vor uns, und es ist unsere Pflicht, für die, die nach uns kommen, diese Rechte zu erhalten und zu verbessern!

Alerta Alerta Queerfeminista!

TO BE SEEN – queere Geschichte & Sichtbarkeit in München

von Felix Lene Ihrig

Queer History auf Social Media ist toll – Queer History im real life (aka Museum) ist noch spannender! Deswegen wollen wir euch heute eine Ausstellung empfehlen, die noch bis Mai in München zu sehen ist und viele wertvolle Einblicke für Queers und Non-Queers bietet.

TO BE SEEN widmet sich den Geschichten von LGBTIQ* in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.“ So beschreibt das NS-Dokumentationszentrum München deren aktuelle Ausstellung auf der dazugehörigen Homepage https://www.nsdoku.de/tobeseen. Felix war schon kurz nach der Ausstellungseröffnung im Oktober dort und möchte für euch reflektieren, ob die Ausstellung hält, was sie verspricht, und eine Entscheidungshilfe zur Frage, ob sich der Besuch lohnt, bieten.

Fangen wir mit dem Titel an – did I feel seen?

Auf sehr vielen Ebenen ja, auf manch anderen nein. Als Person, die Label ablehnt (sich für euer Verständnis, in diesem Text und zu diesem Zeitpunkt aber etwa so einordnen würde: weiß, großteils able-bodied, omnisexuell, transmaskulin, nichtbinär…), sind die Voraussetzungen, sich in queerer Geschichtsschreibung wiederzufinden, eher dürftig. Die Vielfalt der dargestellten Personen und der Tiefgang der einbezogenen Geschichten hat mich daher sehr freudig überrascht. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass eine der ersten dokumentierten transaffirmativen Operationen noch vor 1900 eine Art Mastektomie war. Es wird besonders schön dargestellt, wie sich um die 1920er in Europa eine „queere Community & Kultur“ entwickelt haben, die sich vor allem an Einschlüssen und dem Bedürfnis von safe_r spaces ohne strikte Grenzziehungen zwischen Identitäten orientiert haben. Zu sehen, dass diese Personen weder die Ersten noch die Letzten waren, die sich solche Fragen gestellt und sich aktiv für ein „gutes Leben“ eingesetzt haben, hat mich gleichermaßen frustriert und euphorisch gestimmt. Wortwörtlich „begreifen“ zu können, wie „wir“ in manchen Fragen schon sehr viel näher an diesen Grundgedanken gekommen sind und in anderen eher 10 Schritte zurück gemacht haben, ist ein großer Pluspunkt dieser Ausstellung, die nicht nur zum passiven Anschauen einlädt.

Wie steht es um den Ausstellungsort?

Da es sich um ein gefördertes Dokumentationszentrum handelt, kann die Ausstellung kostenlos besucht werden. Das lädt eindeutig auch viele Non-Queers zum „mal Reinschauen“ ein und ist auch sonst einfach wunderbar. Besonders wenn eins von Innsbruck anreist (kleiner Hinweis: Gruppen-Bayern-Ticket lohnt sich). Und es zeigt ganz klar, wodurch die „10 Schritte zurück“ bedingt sind. Den einschränkenden Faktoren, welche die lebhafte queere Kultur der 1920er gezielt verdrängt haben, wird ein großer Teil der Ausstellung gewidmet. Dank klarer Unterteilung und entsprechenden Überschriften kann eins sich aber auf die schönen Aspekte der Ausstellung fokussieren, falls die Auseinandersetzung mit nationalsozialistischer & Holocaust-Geschichte zu belastend wäre (Pro-Tipp: nicht dem offiziellen Ausstellungspfad folgen, sondern gegenchronologisch durchgehen, dann endet eins mit Euphorie!).

Wie gelingt kritisch(e) queere Geschichte?

Die Ausstellung zeigt sehr schön, wie Gesellschaftskritik und Bildungsarbeit mit Kunst ausgedrückt werden können, was Archivarbeit für nachfolgende Generationen bedeuten kann und woran wir uns orientieren könnten, um das Rad nicht neu zu erfinden, sondern den Kampf unserer „chosen ancestors“ (also Wahl-Vorfahren) weiterzuführen. Es wird außerdem deutlich auf den ambivalenten Aspekt der Sichtbarkeit eingegangen. Wusstet ihr, dass es in den 1920ern einen „trans/crossdress Ausweis“ gab, welcher erniedrigende Polizeikontrollen ersparen sollte? Klingt nach einer super Sache… war es auch, bis die nationalsozialistische Regierung sich das entsprechende Register vorgenommen hat, um queere Menschen gezielt aufsuchen und bestrafen zu können. Diese tragische Wendung lässt mich seit dem Ausstellungsbesuch nicht mehr los und hat meinen kritischen Blick für aktuelle Entwicklungen geschärft. Einen entsprechenden Hinweis in der Ausstellung habe ich vergeblich gesucht. Auf nonmonosexuelle (z.B. bisexuelle), inter*, nichtbinäre und andere innerhalb der queeren Community marginalisierte Personen wird zwar in der Ausstellung eingegangen, jedoch nur wenig. Die intersektionale Auseinandersetzung mit dieser (andernorts oft systematischen) Verunsichtbarung gehört für mich zu einer kritischen, queeren Geschichtsschreibung dazu und dürfte gerne etwas deutlicher ausfallen.

Sichtbarkeit im Gestern wie im Heute – für morgen!

TO BE SEEN bereichert also nicht nur die Beschäftigung mit queerer Geschichte, sondern auch mit queerer Gegenwart und schafft Hoffnung, sowie Realismus für queere Zukunft. Es gibt in dieser Vielfalt an Inputs sicher für alle Gelegenheiten, um Neues zu entdecken, Bekanntes aufzufrischen oder den eigenen kritischen Blick zu schärfen. Felix empfiehlt und wünscht queer joy!

Ein Plädoyer für Queere Perversion

„Not Gay as in Happy, but Queer as in Fuck You“ ist ein Mantra, das ich schon seit meiner Jugend höre – aber erst vor einigen Jahren wirklich verinnerlichen konnte. Mit einer Leidenschaft und einem Trotz, die mein jugendliches Ich gleichermaßen überrascht und begeistert hätten.

Der Satz selbst spielt auf die Geschichte zweier englischer Worte an, die als Überbegriffe für unsere Communities und unsere Befreiungs-Bewegungen benutzt wurden.

Der erste: Gay, auf Deutsch meist mit schwul oder homosexuell übersetzt, wobei schwul nur einen Teil des Wortes ausdrückt und homosexuell seine eigenen Probleme hat. Gay ist ein kurzer und umfassender Begriff für gleichgeschlechtlich romantisch und/oder sexuell orientierte Menschen. Er bedeutete ursprünglich happy, oder glücklich/froh und hat somit – rein semantisch – eine positive Konnotation.

Queer hingegen wurde vor dem 20. Jahrhundert hauptsächlich im Kontext von seltsam, komisch, falsch verwendet und hat später auch pervers, unnatürlich impliziert. Also bestenfalls neutral, jedoch eher sehr negativ behaftet. Das ist einer der Aspekte, den Menschen – auch Angehörige der Community – heute kritisieren. Warum nennen wir uns so? Queer ist eine Beleidigung, ein Wort, das gegen uns verwendet wird.

Genau, das ist es – so wie jedes Wort, das uns jemals beschrieben hat. Ich wette, dass niemensch ein Wort finden kann, das uns beschreibt, aber nie als Schimpfwort gegen uns benutzt wurde. Deswegen ist die Bedeutung von queer so widerständig. Es lässt sich nicht einordnen, nicht kategorisieren, assimilieren. Und das ist der Kernpunkt – queer wie „ich passe mich dir nicht an“, queer wie „ich scheiß auf deine Norm“, queer wie „ich existiere, das ist in Ordnung so, und du hast nichts dazu zu sagen“, queer wie fuck you.

Deswegen benutze ich queer für mich und meine Community. Es ist das einzige Wort, das uns wirklich alle einschließen und gleichzeitig nicht begrenzen kann. Queere Identität ist ihr eigenes Biest, mit Nuancen und Widersprüchen. Und sie passt nirgendwo rein, ohne anzustoßen.

Das ist für viele von uns so. Ich bin eine fette inter*, nicht-binäre trans Person, die in der Punkszene groß geworden ist und habe zwar schon früh meine lesbische Identität entdeckt, jedoch lange genug den Rest nicht verstanden. Selten fühlte ich mich so gesehen wie unter anderen Freaks, die aus welchem Grund auch immer – Konsum, Aussehen, politische Einstellung, Queerness, Behinderungen, etc – unerwünscht waren. Viel des queeren Erstkontakts waren Butch Lesben, die in ihrer eigenen Community schräg beäugt wurden, Cosplayer die sich dezidiert als transsexuell bezeichneten, Drag Queens, Furries, junge Queers mit bunten Haaren oder wie wir uns damals nannten: Dyklings (Anm.: von Ducklings (Entenküken) und Dyke (eng. Selbstbezeichnung und Schimpfwort für Lesben)). Ich wünschte heute, ich hätte mich nicht so sehr abschrecken lassen und mir viel mehr Zeit mit Butch Lesben genommen, weil deren Gender-non-conformity so etwas Kämpferisches und Anziehendes hat. Viele dieser Gruppen hatten wenig Möglichkeit, sich anzupassen, selbst wenn wir es gewollt hätten.

Ich habe schon herausgestochen, bevor ich mir das erste Mal die Haare abgeschnitten habe. Ich war schon immer unerwünscht.

Doch je mehr Länder sich zumindest Themen wie Ehe für Alle annehmen, desto mehr Akzeptanz gibt es, und desto mehr Chancen kommen auf, sich anzupassen. Auf Englisch wird es Respectability Politics genannt, ein fachübergreifendes Konzept, das sich damit beschäftigt, zu welchen Standards marginalisierte Gruppen gehalten werden, um scheinbar akzeptiert zu werden. Es wurde als erstes von Evelyn Brooks Higginbotham im Rahmen von Black Liberation und Frauenbewegungen so benannt.

Unzählige Beispiele können dafür in verschiedensten Kontexten genannt werden – eine kurze Perspektive im Kontext von Anti-Black Rassismus findet ihr in The Rise of Respectability Politics von Fredrick C. Harris

Für queere Menschen, oder eher LGBT+ Menschen, sieht das meist so aus: dünne bzw. trainierte, weiße, konventionell attraktive Menschen zeigen, wie normal sie sind. Dass sie sind wie alle anderen, nur dazugehören wollen, nicht zu weit aus der Box raustreten, und diese hässlichen, unangepassten, anstößigen Queers mit ihrer sichtbaren Nicht-Konformität und Kinks und so weiter ja genauso doof und übertrieben finden. Ich will mich hier nicht über andere queere Menschen auslassen; es ist ein Schutzmechanismus, den Minderheiten überall schon lange nutzen, um selbst aus der Schusslinie zu kommen.

Von solchen Gefühlen her kommen auch Diskussionen, was denn bei der Pride angebracht ist, ob Kink einen Platz haben darf, und wer sich alles queer nennen darf. Ich war vor nicht allzu langer Zeit selbst nicht sicher, wie ich dazu stehen soll, welches Image wir als Community nach draußen projizieren wollen. Aber das ist eine Falle. Es ist toxisch für unsere Gemeinschaft, unseren Kampf und uns selbst. Es ist schlicht und einfach ahistorisch. Jede queere Bewegung lebte schon immer von denen, die am Rande oder ganz außerhalb der (feinen) Gesellschaft stehen. Leather Daddies, Dykes on Bikes, Kinksters, Crossdresser, Transsexuelle; ohne einander hätten wir heute nicht die Rechte, die wir haben. Und heute wollen wir sie rauswerfen, weil sie sich auf Social Media nicht so gut machen.

Für alle, die sich noch nicht sicher sind, vor allem junge Menschen: hört mir gut zu. Bedingte Akzeptanz ist keine Akzeptanz. Wir sind nie sicher, wenn unsere Existenz nur dann erlaubt ist, solange wir gewisse Grenzen nicht überschreiten. Und damit meine ich explizit die Leute, die bei euch teils Unbehagen verursachen. Menschen in vollem Kink Get-Up bei der Pride, in Fursuits, trans Menschen die nie Passing haben werden, die sich „cringey“ auf Social Media verhalten, hysterisch werden, psychische Erkrankungen, Neurodivergenzen oder Behinderungen haben, sich stereotypisch und „dramatisch“ verhalten, die konsumieren oder Sexarbeit machen. Alle, über die die Gesellschaft auch heute im besten Fall aktiv schweigt. Es ist ok, wenn ihr mal private Berührungsängste habt. Es ist auch in Ordnung, sich manchmal unwohl zu fühlen. Aber das darf nie darin ausarten, die verletzlichsten von uns auszuschließen und unsere Identitäten zu bereinigen zu versuchen, damit sie möglichst leicht verdaulich sind.

Queer ist absichtlich ein Wort, das keine genauen Grenzen hat. Ich werde sicher niemensch aufzuschlüsseln versuchen, was genau queer ist, ab wann Nicht-Monogamie oder Kink da reinfällt, und wer bei der Pride dabei sein darf. So viele wir auch sind, und so viel einfacher die Dinge geworden sind: wir sind von derselben erstickenden Normativität betroffen, die uns am liebsten ganz weg hätte. Und meint nicht, dass ihr nicht die nächsten wärt, wenn die anderen wegillegalisiert worden sind. Wir sehen es gerade in den USA; zuerst Drag Queens, als nächstes werden wieder alte Sodomie-Verbote (Anm.: Sodomie ist eine sehr abfällige Bezeichnung für Analsex, primär auf Sex zwischen Männern bezogen) in die politische Diskussion zurückgeholt.

Auf eine Weise queer zu sein, die viele einfach nicht verstehen und nicht als schön oder ansehnlich wahrnehmen, braucht mehr Mut als die meisten in ihrem Leben jemals aufbringen werden. Authentisch mensch selbst zu sein, auch wenn die Leute lachen und auf mensch spucken, ist einfach nur Punk. Deswegen werde ich mich jederzeit lieber zu den Freaks gesellen als in die „gehobene“ Gesellschaft. Die Freaks sind sowieso unendlich sexier. Und ich hoffe sehr, dass auch ihr nochmal tief in euch schaut und beim nächsten Pride daran denkt:

Gay oder Queer?

So oder so, fick deine Norm.

All-Gender Toiletten

Statement zur aktuellen Debatte um genderneutrale Toiletten an der Uni Innsbruck

Wie viele von euch bestimmt schon mitbekommen haben, hat es in den letzten Tagen eine Aktion von unbekannten Personen gegeben, die genderneutrale Beschilderung an Universitätstoiletten angebracht haben. Auf Social Media wurden Bilder von diesen Schildern gepostet, woraufhin die Uni Innsbruck dazu Stellung bezogen hat. Hier findet ihr diese Stellungnahme, um euch selbst ein Bild zu machen. Viele Personen haben diesen Anlass genutzt, um negative Aussagen über trans und nicht-binäre Personen zu tätigen.

Genderneutrale Beschilderung an einer Universitätstoilette

Wir wollen uns der Debatte nicht anschließen, sondern in unserem Statement auf das eigentliche Thema zurückkommen und betonen, weswegen geschlechtsneutrale Toiletten notwendig und sinnvoll sind. Der Gang auf die Toilette sollte für alle Menschen unkompliziert, in einem angemessenen Zeitfenster möglich und vor allem sicher sein. Trans, nicht-binäre und inter* Personen sowie Menschen, die nicht eindeutig feminin bzw. maskulin aussehen werden jedoch häufig verbal beschimpft und Opfer von Übergriffen, wenn sie eine der binär betitelten Toiletten benutzen.
Um allen Menschen also ein sicheres WC zu gewähren, sollte es ausreichend Optionen für alle geben. Es ist die erste und wichtigste Priorität, allen Menschen, unabhängig vom Geschlecht, den sicheren und unkomplizierten Gang zur Toilette zu ermöglichen. Ausreichend geschlechtsneutrale Toiletten sind der einfachste Weg, dies umzusetzen. Dass dies auch möglich ist, zeigt beispielsweise die Universität in Wien, die bis dato 22 All-Gender Toiletten an ihren Standorten eingeführt hat (hier die Infos dazu). Außerdem findet ihr hier einen Leitfaden der ÖH, der das Thema näher aufschlüsselt.

Unsere Forderung

Öffentliche Toiletten sind Voraussetzung, um in öffentlichen Räumen teilnehmen zu können. Ein Mangel daran bedeutet die Verdrängung aus dem öffentlichen Raum. Diesen Mangel auszugleichen ist ein kleiner Schritt, der schnell und unkompliziert durchgeführt werden kann und das Leben vieler Menschen stark vereinfacht.
An der Universität Innsbruck sind bisher 4 Toiletten offiziell geschlechtsneutral beschildert. Insgesamt gibt es jedoch 16 Gebäude mit 200 Toiletten. Das reicht nicht annähernd aus! Wir fordern deswegen: ausreichend All-Gender Toiletten, um den Gang zum WC für alle einfach und sicher zu machen.

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